
Seit 1970 findet in Stuttgart der internationale Hegel-Kongress unserer Vereinigung statt, der eine der prominenten philosophischen Veranstaltungen in Deutschland darstellt. Seit 1975 findet er turnusgemäß alle sechs Jahre statt. Auf den Kolloquien und Foren wird im Rahmen einer zentralen Themenstellung der Hegel’schen Philosophie und des gegenwärtigen Denkens von bekannten Vertreter:innen verschiedener Disziplinen ebenso wie von jüngeren Wissenschaftler:innen diskutiert. Öffentliche Abendvorträge bieten zudem einem breiteren intellektuellen Publikum die Gelegenheit zur Teilnahme. Es herrscht kein ‚Schulzwang‘ und keine vorgegebene Richtung. Stattdessen kommen unterschiedliche Positionen und Herangehensweisen miteinander ins Gespräch.
Übersicht der bisherigen Hegel-Kongresse
Der Kongress fand vom 12. bis 15. Juli 1970 in Stuttgart statt.
Die Beiträge des Kongresses wurden als Band 6 der Veröffentlichungen der Internationalen Hegel-Vereinigung publiziert.
Themenbeschreibung: „Der 200ste Geburtstag Hegels, aus dessen Anlaß wir mit der Organisation eines großen internationalen Kongresses beauftragt wurden, mußte von vornherein das Interesse der Öffentlichkeit stark auf sich ziehen. Daß die Stadt Stuttgart, die Geburtsstadt Hegels, und daß die Heidelberger Akademie der Wissenschaften, die vornehmste wissenschaftliche Institution des Südweststaates, in den heute das Schwabenland integriert ist, den großen Denker ehren wollten, war nur natürlich. Aber im Grunde ging es von vornherein um mehr. Es galt, diesem Manne einen Platz im öffentlichen Bewußtsein zu erobern, den er noch nicht so besaß wie andere große Söhne des schwäbischen Landes – ich erinnere nur an die großen klassischen Dichter Schiller und Hölderlin. […] Aber die Aufgabe, die uns bei der Durchführung des Jubiläumskongresses von 1970 gestellt war, den lebendigen Anteil Hegels am Denken der Gegenwart sichtbar zu machen, profilierte sich auf die natürlichste Weise. Daß wir uns nicht auf die Philosophie der Gegenwart und ihre besondere Beziehung zu Hegel zu beschränken hatten, ergab sich aus dem Anlaß auf zwingende Weise: Worauf es ankam, war nicht so sehr, das beständige, spannungsvolle Verhältnis zu Hegel, das die deutsche philosophische Tradition bestimmt, dem öffentlichen Bewußtsein zu vermitteln, als vielmehr die negativen oder positiven Vorurteile gegen und für Hegel, die dieses öffentliche Bewußtsein mehr oder weniger bewußt besetzt halten, in die Wiederbegegnung mit dem authentischen Denken Hegels zu nötigen. So zeichneten sich – nicht durch ein vorgefaßtes Programm, sondern durch die Vorgegebenheit der lebendigen Interessen – die großen Komplexe ab, denen die Diskussionen des Kongresses zugeordnet wurden: die Naturwissenschaften, die christliche Theologie, die Aesthetik, die politische Philosophie und die marxistische Theorie.“ (Auszug aus: Hans-Georg Gadamer, „Zur Einführung“, in: ders. (Hrsg.), Stuttgarter Hegel-Tage 1970. Vorträge und Kolloquien des Internationalen Hegel-Jubiläumskongresses, Bonn: Bouvier Verlag 1974, S. IX–XV)
Der Kongress fand vom 28. bis 30. Mai 1975 in Stuttgart statt.
Die Beiträge des Kongresses wurden als Band 9 der Veröffentlichungen der Internationalen Hegel-Vereinigung publiziert.
Themenbeschreibung: „Hegels Philosophie ist als letzte in vollem Sinne System gewesen: Sie hat aus einer von ihm selbst entwickelten Grundlagenwissenschaft mit neuer Methode und neu gefaßter Begriffssprache eine umfassende Interpretation aller Bereiche der Wirklichkeit und aller Lebensdeutungen des Menschen gegeben. Die Philosophie jeder Zeit muß sich zu Platon in Beziehung setzen, der als erster die besonderen Aufgaben und Schwierigkeiten eines Erkennens verstand, das darauf aus ist, in einem sowohl gesichert als auch umfassend und für ein Leben orientierend zu sein. Sie hat guten Grund, sich auch auf Hegel zu beziehen, wenn sie in einer veränderten Situation Möglichkeiten erwägt, wie die fundamentalen und die universalen Aufgaben der Philosophie einsichtig und somit verantwortlich einander zugeordnet werden können. Hegel hat, anders als Platon, in einem einzigen Begründungsgang der Philosophie Sicherheit in ihrem Erkennen und unbegrenzten Aufschluß geben wollen über alles, was der Fall und was zu fragen ist. Mit Platon stimmte er aber darin überein, daß sich solches Erkennen auf angemessene Weise nur dann ergeben würde, wenn sein Verfahren vom Erkenntnisbegriff der Meinungen, die es hinterfragt, auch radikal abweicht. So kann man fragen, nach welchem Begriff von Erkenntnis systematische Philosophie auch dann möglich sein könnte, wenn es für aussichtslos zu gelten hat, Hegels ins Äußerste gehenden Konzeption eines Systems noch einmal Folge zu leisten. Zugleich kann die Kraft, Aufschluß zu geben über Zusammenhänge, die systematische Philosophie von Platon bis Hegel wirklich besaß, deutlich machen, was man preisgibt, wenn man den Begriff der Philosophie von vornherein aus partikularen Leistungen der Aufklärung oder aus methodologischen Hilfsdiensten für andere Wissenschaften definiert. Der Stuttgarter Kongreß hat sich also unter dem Namen Hegels eigentlich unter die Grundaufgabe jeder Philosophie gestellt, nämlich die der Verständigung über sich selbst und über ihre Möglichkeiten, unter den Erkenntnisbedingungen der Gegenwart.“ (Auszug aus: Dieter Henrich, „Vorwort“, in: ders., (Hrsg.), Ist systematische Philosophie möglich? Stuttgarter Hegel-Kongreß 1975, Bonn: Bouvier Verlag 1977, S. XV–XVI).
Der Kongress fand vom 25. bis 28. Juni 1981 in Stuttgart statt.
Die Beiträge des Kongresses wurden als Band 12 der Veröffentlichungen der Internationalen Hegel-Vereinigung publiziert.
Themenbeschreibung: „Die Publikation der Kritik der reinen Vernunft lag zweihundert Jahre zurück, als sich Hegels Tod zum einhundertfünfzigsten Male jährte. Der Kongreß […], der in dieses Jahr fiel […], konnte sich nicht auf ein Thema einschränken, das nur im Blick auf Hegel zu formulieren ist. Mit Kant begann nicht nur die klassische deutsche Philosophie. In seinem Werk ist auch eine theoretische Leistung erbracht und ein Universum von Theoriepotentialen erschlossen, die inzwischen unbestrittene und paradigmatische Geltung überall dort gewonnen haben, wo überhaupt philosophiert wird. Die Beziehung auf Kant gibt darum allen, die in Traditionen denken, welche sich als Philosophie verstehen können, einen letzten Horizont der Verständigung. Im Vergleich dazu ist Hegels Werk kontrovers und von geringerer Wirkung geblieben. Seine Grundlegungstheorie ist aber nach ihrem Gehalt und nach ihrer Methode der bedeutendste Gegenentwurf zu Kants Denken, der doch zugleich aus den theoretischen Impulsen, die von Kant ausgingen, herausgearbeitet ist. Zudem ist es der bisher bedeutendste Versuch, nach der Vernunftkritik ein Denken als Metaphysik auszubilden, das die Erfahrungen der Modernität, die Realitäten des geschichtlichen Wandels und der politischen Institutionen sowie die Dynamik der Entfaltung von bewußtem Leben überhaupt in neue Begriffsformen einzufangen oder zu übersetzen erlaubt, das aber zugleich den Anschluß an die von Platon begründete Lehre von den Ideen hält oder wiedergewinnt. So war das Jahr des Kongresses ein beinahe zwingender Anlaß dafür, Hegels Werk in Beziehung auf das Werk Kants zu erörtern. Und damit verstärkten sich auch die vielen anderen Gründe dafür, diesen Kongreß wiederum so anzulegen, daß er Gelegenheit bot, im Lichte der Kontroverse zwischen den Grundkonzepten von Kant und Hegel die wesentlichsten Kontroversen in der Philosophie der Gegenwart zu erörtern und zu entfalten.“ (Auszug aus: Dieter Henrich, „Vorwort“, in: ders. (Hrsg.), Kant oder Hegel? Über Formen der Begründung in der Philosophie. Stuttgarter Hegel-Kongreß 1981, Stuttgart: Klett-Cotta 1983, S. 11–12).
Der Kongress fand vom 18. bis 21. Juni 1987 in Stuttgart statt.
Die Beiträge des Kongresses wurden als Band 17 der Veröffentlichungen der Internationalen Hegel-Vereinigung publiziert.
Themenbeschreibung: „Die Tradition des Denkens, die mit dem Problemtitel ‚Metaphysik‘ verbunden, über zwei Jahrtausende und bis auf Platon und Aristoteles zurückreichte, erfuhr in der klassischen deutschen Philosophie eine Verwandlung. Sie schließt den ungebrochenen Anschluß an die vorausgehenden Denkweisen jener Metaphysik vermutlich für alle Zukunft aus. Doch die Überzeugung, daß es notwendig sei, den Ursprung der metaphysischen Denkform selbst zu verstehen und sie auf neue Weise, aber ihrem Ursprung in Vernunft und Leben gemäß, zu entfalten, lag als wichtiges Motiv auch noch den Veränderungen in der Systemform und der Argumentationsform der Theorien von Kant bis Hegel zugrunde. […] Die Philosophie, welche d[ies]er Periode nachfolgte […], kam zwar zu ihren eigenen Ansätzen aus der Beziehung auf ihre großen Vorgänger. Aber sie hat ihre Verfahrensweisen von dem Ausgriff auf eine Theorie befreit, welche die Nachfolge der Metaphysik in Aufnahme und Verwandlung ihrer gesamten Tradition antreten wollte. […] Doch damit sind nicht alle Bücher über dem geschlossen, dem über zwei Jahrtausende unter dem Titel ‚Metaphysik‘ nachgedacht worden ist. […] Es zeigt sich vor allem daran, daß über die Situation und die Verständigungsweisen eines vernunftbestimmten Lebens jenseits der Möglichkeit zur Metaphysik keine Klarheit besteht. […] Die Frage nach den Folgen der Verwandlung und des möglichen Endes der Metaphysik ist dem gegenwärtigen Leben und der Philosophie, die seinen Problemen verbunden ist, daher unabweisbar gegeben. […] Diese Frage schließt eine große Zahl von Problemkoordinaten ein. Die wesentlichsten von ihnen sind in das Programm des Kongresses […] aufgenommen worden, so die einer Ethik oder einer Religion ohne die Perspektive einer Metaphysik. Gegenstand des Kongresses war aber ebenso die Verwandlung des Traditionsbestandes der Metaphysik, die in der klassischen deutschen Philosophie geschah […]. Des weiteren war es das Ziel des Kongresses, die Versuche zur Restituierung der Metaphysik in unserer Zeit, die Versuche zur Diagnose des Ursprungs und der Geschichte des metaphysischen Denkens und die Verfassung der Theorien zu untersuchen, die nach der Ablösung von der durch ‚Metaphysik‘ einst aufgezeigten Erkenntnisaussicht eine Art von Nachfolge der Metaphysik als ‚letzte‘ und ‚beste‘ Theorie angetreten haben.“ (Auszug aus: Dieter Henrich und Rolf-Peter Horstmann, „Vorwort“, in: dies. (Hrsg.), Metaphysik nach Kant? Stuttgarter Hegel-Kongreß 1987, Stuttgart: Klett-Cotta 1988, S. 11–14).
Der Kongress fand vom 10. bis 13. Juni 1993 in Stuttgart statt.
Die Beiträge des Kongresses wurden als Band 20 der Veröffentlichungen der Internationalen Hegel-Vereinigung publiziert.
Themenbeschreibung: „Angesichts der jüngsten, noch längst nicht ausgestandenen Katastrophen, die ein verfehltes, totalitäres Konzept gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Rationalität gezeigt hat, haben die Philosophen gegenwärtig allen Anlaß, ihr Vernunftverständnis zu bedenken. Um hierzu das Seine beizutragen, mußte ein Kongreß, der mit Vernunftkonzepten in der Moderne befaßt und als Veranstaltung der Internationalen Hegel-Vereinigung bemüht war, philosophiegeschichtliche Aufklärung mit der Bearbeitung systematischer philosophischer Fragen zu verbinden, eine doppelte Gruppe von Akzenten setzen: In einer Serie vorrangig historischer Kolloquien war nicht nur die Geschichte des philosophischen Vernunftverständnisses vom vorkritischen Rationalismus und Empirismus bis zu paradigmatischen Rationalitätsmodellen in unserem Jahrhundert zu verfolgen; mindestens einige Stadien dieser Geschichte – insbesondere die durch Kant und die nachkantischen Idealisten repräsentierten – sollten auch mit der Frage konfrontiert werden, was für die Interpretation, aber auch Kritik ihrer Vernunftentwürfe – beispielsweise unter den genannten Gesichtspunkten – aus gegenwärtigen Rationalitätsanalysen zu gewinnen ist. In einer Serie systematischer Kolloquien waren umgekehrt die Schwerpunkte zu markieren, welche diese Rationalitätsanalysen heute haben; ihre Themen sollten nach Möglichkeit auch so verhandelt werden, daß dabei in Abgrenzung oder Annäherung auf Spezifika der Kantischen und nachkantisch-idealistischen Vernunftbegriffe Bezug genommen wurde.“ (Auszug aus: Hans Friedrich Fulda und Rolf-Peter Horstmann, „Vorwort“, in: dies. (Hrsg.), Vernunftbegriffe in der Moderne. Stuttgarter Hegel-Kongreß 1993, Stuttgart: Klett-Cotta 1994, S. 11–16.
Der Kongress fand vom 3. bis 5. Juni 1999 in Stuttgart statt.
Die Beiträge des Kongresses wurden als Band 22 der Veröffentlichungen der Internationalen Hegel-Vereinigung publiziert.
Themenbeschreibung: „Mit der bekannten Formulierung vom Ende der Rechtsphilosophie (§ 340), die Weltgeschichte sei das Weltgericht, zitiert Hegel ein Gedicht Schillers, das den sprechenden Titel ‚Resignation‘ trägt. Es handelt sich also schon philologisch um eine hintersinnige literarische Verstellung. Die Rechtsfragen, die sich im Zuge der Weltgeschichte stellen, sollen nicht auf ein abschließendes Urteil am Jüngsten Tag verschoben werden. Sie stellen sich, werden hin und her erwogen und gelangen epochenweise zur Entscheidung, wobei freilich wegen des weitergehenden Geschichtsverlaufs auch künftige Revisionen offenstehen. […] Am Ende eines bewegten Jahrhunderts, das extreme Urteile auf sich zu ziehen pflegt, ist es philosophisch ratsam, den Differenzierungen der Hegelschen Theorie wieder Gehör zu verschaffen. Dazu bedarf es zunächst der Ausräumung des Pauschalverdachts auf idealistische Euphemisierung. Dieser Verdacht fand lange eine starke Stütze in alle nVarianten marxistischer Geschichtsbetrachtung. Nachdem diese Opposition – nicht durch den argumentativ errungenen Sieg einer der intellektuellen Parteien, sondern zur allgemeinen Überraschung durch den Geschichtsverlauf selbre – überholt erscheint, kann sich das Verständnis unbefangener wieder dem Hegelschen Vorschlag widmen. In der Tat urteilen wir unablässig und massenhaft über die Prozesse, die unserer Gegenwart noch erkennbar im Rücken liegen. Wir sollten dabei statt der Engführung des Blicks auf hervorstechende Schreckensregimente auch die Befreiungsschübe würdigen, die wir erleben, ohne sie autonom produziert zu haben, ja ohne sie vielleicht in ihrer vollen Zukunftsdimension schon überall erfaßt zu haben. Hegels These von der stillen Arbeit der Veränderung unterhalb der allseits wahrgenommenen und kommentierten Oberfläche, d. h. also der Vernünftigkeit im Wirklichen, erfährt seit 1989 eine nachdenkenswerte Beleuchtung. Nun erst lernen wir das Jahrhundert in seiner Gänze sehen.“ (Zit. aus: N.N., „Ankündigung des Kongresses“, in: Rüdiger Bubner und Walter Mesch (Hrsg.), Die Weltgeschichte – das Weltgericht? Stuttgarter Hegel-Kongreß 1999, Stuttgart: Klett-Cotta 2001, S. 9–10).
Der Kongress fand vom 26. bis 28. Mai 2005 in Stuttgart statt.
Die Beiträge des Kongresses wurden als Band 24 der Veröffentlichungen der Internationalen Hegel-Vereinigung publiziert.
Themenbeschreibung: „Unser Kongreß steht unter dem Titel Von der Logik zur Sprache. Das mag für einen Kongreß im Namen Hegels merkwürdig klingen. Frühere Veranstaltungen dieser Art galten zentralen Themen des Hegelschen Systems und dessen Gesamtanlage. Sie galten den epochalen Kombattanten oder Opponenten Hegels sowie auch detaillierten Interpretationsfragen. Das alles hatte sein Recht und war wissenschaftlich wohlbegründet. Der Titel Von der Logik zur Sprache hingegen kündigt einen Abschied von der Orthodoxie an und blickt auf die Breite der philosophischen Fortentwicklung bis in die Gegenwart. Hegel sah die Wissenschaft der Logik, wie er sie gegen die traditionelle Auffassung von formaler Logik nannte, als Zentrum seines Systems an. Logik gilt ihm geradewegs als Metaphysik. Darüber wird zu reden sein. Der Weg von dieser außerordentlich anspruchsvollen Auffassung einer absoluten Arbeit des Begriffs führt über fast zweihundert Jahre Philosophiegeschichte zum zentralen Thema der heutigen Debatten auf allen Ebenen und in allen Schulen, nämlich der Untersuchung der Sprache als solcher. Nunmehr gilt, daß die Sprache in ihren Formen, Wendungen, historischen Ausprägungen und sozialen Funktionen vor aller rationalen Begriffsanalyse vorangeht. Hegels Programm, das aus der neuzeitlichen Philosophieentwicklung sich erhoben hatte, wird damit grundsätzlich revidiert. Nicht die philosophische Logik beherrscht die Sprache, sondern die Sprache leitet alle sinnvollen Bemühungen philosophischer Reflexion an. Dazu verspricht dieser Kongreß in vielerlei Hinsichten und in allen Sektionen Belehrung je eigener Art. Nach dem welthistorischen Kampf mit dem Marxismus mag der Hegelianismus an Furor eingebüßt haben. An Finesse aber hat er vielleicht gewonnen.“ (Rüdiger Bubner und Gunnar Hindrichs, „Einleitung“, in: dies. (Hrsg.), Von der Logik zur Sprache. Stuttgarter Hegel-Kongreß 2005, Stuttgart: Klett-Cotta 2007, S. 11).
Der Kongress fand vom 22. bis 25. Juni 2011 in Stuttgart statt.
Die Beiträge des Kongresses wurden als Band 25 sowie Band 26 der Veröffentlichungen der Internationalen Hegel-Vereinigung publiziert.
Themenbeschreibung: „Der Begriff der Freiheit zeigt keinen gesicherten Tatbestand an. Vielmehr bildet er den Titel einer Problemlage. Für sie fand Hegel drastische Worte: ‚Über keine Idee weiß man es so allgemein, dass sie unbestimmt, vieldeutig und der größten Missverständnisse fähig und ihnen deswegen wirklich unterworfen ist als über die Idee der Freiheit, und keine ist mit so wenigem Bewusstsein geläufig‘. Auch heute macht sich die Unbestimmtheit, Vieldeutigkeit und mögliche Missverständlichkeit der Freiheitsidee in der Mannigfaltigkeit der mit ihr verbundenen Probleme geltend. […] Der Kongress […] suchte zur Klärung der Problemlage beizutragen. Zehn seiner Kolloquien, deren Beiträge der vorliegende Band nun veröffentlicht, umkreisen die Gesichtspunkte, die diese Lage bestimmen: Erste Natur, Kunst, Determinismus, Autonomie, Gesellschaft, Markt, Recht, Emanzipation, Zweite Natur, Religion. Hinzu tritt ein Kolloquium, das sich eigens der Herausforderung widmet, die Hegels Rechtsphilosophie für die Bestimmung der Freiheitsidee darstellt. Wir hoffen, dass die Konstellation dieser elf Kolloquien Koordinaten zieht, die das Feld der Probleme zu erschließen helfen – und zudem Vorschläge zu ihrer Beantwortung zu eröffnen vermögen.“ (Auszug aus: Axel Honneth und Gunnar Hindrichs, „Vorwort“, in: dies. Freiheit. Stuttgarter Hegel-Kongress 2011, Frankfurt a. M.: Klostermann 2013, 9–11).
Der Kongress fand vom 14. bis 17. Juni 2017 in Stuttgart statt.
Die Beiträge des Kongresses wurden als Band 30 der Veröffentlichungen der Internationalen Hegel-Vereinigung publiziert.
Themenbeschreibung: „Das Verhältnis zwischen Natur einerseits, dem menschlichen Geist, freiem Handeln, Geschichte und Gesellschaft andererseits ist klassischerweise eines der zentralen Probleme der westlichen Philosophie bis heute. Dass die menschliche Existenz auf natürlichen Grundlagen beruht – ob damit nun die Genetik, die Evolution, die Neurobiologie oder Natur in einem umfassenderen Sinne als selbstreproduzierendes System gemeint ist – ist unumstritten. Kontrovers diskutiert wird hingegen, ob wir dennoch einige Aspekte der menschlichen Existenz – etwa Freiheit, Vernunft oder moralisches Handeln – als in ihrem Ursprung und in ihrer Wirkweise von der Natur und ihrer spezifischen Kausalität unabhängig denken dürfen, oder ob umgekehrt die Abhängigkeit des Menschen von der Natur impliziert, dass die menschliche Existenz in ihrer Gesamtheit auf natürliche Prozesse zurückgeführt werden kann. […] Hegels Philosophie hat bezüglich dieser Frage eine überaus originelle Idee aus der philosophischen Tradition aufgenommen und weiterentwickelt: Die Idee, dass wir menschliche Freiheit, Gesellschaft, Kultur und Geschichte in ihrem Verhältnis zur Natur am besten als zweite Natur begreifen sollten. Damit hatte er gemeint, dass es sich bei den aus der Natur herausragenden Aspekten der menschlichen Existenz nicht um Phänomene handelt, die der ‚ersten‘, nicht-menschlichen Natur einfach enthoben sind, sondern vielmehr um eine eigentümliche Weise, in der sich natürliche Wesen zu ihrer eigenen Natur verhalten. Durch die Sozialisierung in eine ‚zweite Natur‘ […] lernen Menschen, sich zu ihren natürlichen Fähigkeiten, Trieben, Bedürfnissen und Potenzialen reflexiv zu verhalten und entfalten damit zugleich eine Möglichkeit, die zu ihrer menschlichen Natur gehört, insofern als Menschen eben ‚natürlicherweise‘ gesellschaftliche Wesen sind. […] [Insofern] bildet der Begriff der »zweiten Natur« ein höchst geeignetes Thema, um sowohl in Anlehnung an Hegel als auch in kritischer Auseinandersetzung mit ihm die Konstellation Natur-Gesellschaft / Kultur neu aufzuschlüsseln und zu diskutieren. […] Nichts weniger steht hier auf dem Spiel als die Frage, ob die Gesamtheit der menschlichen Existenz durch die Bestimmung des Verhältnisses von Natur und Nicht-Natur verstanden werden kann.“ (Auszug aus: Julia Christ und Axel Honneth, „Einleitung“, in: dies. (Hrsg.), Zweite Natur. Stuttgarter Hegel-Kongress 2017, Frankfurt a. M.: Klostermann 2022, S. 9–16).
Der Kongress fand vom 7. bis 10. Juni 2023 in Stuttgart statt und wurde von Prof. Dr. Dina Emundts und Dr. Karen Koch organisiert.
Die Beiträge des Kongresses wurden als Band 31 der Veröffentlichungen der Internationalen Hegel-Vereinigung publiziert.
Themenbeschreibung: „Das Thema ist nicht nur innerhalb der Philosophie Hegels relevant, sondern auch weit darüber hinaus. Die Philosophie muss sich über sich verständigen. Sie muss dies sogar in einem höheren Maße und auf andere Art und Weise als andere Disziplinen und Wissenschaften, denn sie ist traditionell mit Ansprüchen verbunden, die sie mit anderen Bereichen aus Wissenschaften und Gesellschaft interagieren lässt. Man kann sogar mit Aristoteles sagen, dass die Philosophie selbst keinen eigenen Bereich hat, den sie bearbeitet, und daher immer auf andere wissenschaftliche Bereiche bezogen sein muss. […] Für einen Hegel-Kongress, der über Hegel hinausgehen möchte, eignet sich dieses Thema […] nicht nur, weil die Selbstverständigung der Philosophie ein Thema – wenn nicht sogar: das Thema – für Hegel war, sondern auch, weil Hegels Umgang mit diesem Thema uns eine interessante Systematik der Bearbeitung vorgibt. Die Struktur des Kongresses kann daher unter Rekurs auf die Philosophie Hegels vorgestellt werden. Zunächst gilt, dass für Hegel die Selbstverständigung der Philosophie in Auseinandersetzung mit der Geschichte der Philosophie stattfinden muss. Zweitens kann man sicherlich sagen, dass die Philosophie ihr Verhältnis zu den einzelnen Wissenschaften durchdenken muss und ihr Selbstverständnis aus dieser Auseinandersetzung allererst erwächst. Drittens gehört zur Selbstverständigung der Philosophie ihr kritisches Verhältnis zur Wissenschaft und zu Fragen des Wissens, sowie ihr kritisches Verhältnis zur sozialen und wissenschaftlichen Praxis. Viertens muss die Philosophie die geistigen Formen der möglichen menschlichen Selbstverständigung thematisieren, die für Hegel Kunst, Religion und schließlich die Philosophie selbst sind. Eine der Besonderheiten bei Hegel ist, dass er diese Hinsichten nicht nur für beliebige Aspekte, sondern für notwendige Hinsichten im Prozess der Selbstverständigung hält. Was die Philosophie ist, kann sie gar nicht sagen, wenn sie ihrem Verhältnis zu den anderen Wissenschaften nicht nachgeht. Sie muss beispielsweise die Gesetzmäßigkeiten von Chemie und Physik ebenso durchdenken wie die Strukturen unserer politischen und sozialen Verhältnisse, um die begrifflichen Kategorien, Maßstäbe und Relationen zu verstehen, die eben dieses Denken historisch bestimmen. Auch wenn sich dies nicht (mehr) in umfassender Weise bewerkstelligen lässt, so liegt darin doch die wichtige These der Abhängigkeit unseres philosophischen Wissens von der gründlichen Auseinandersetzung mit verschiedenen anderen wissenschaftlichen und sozialen Verhältnissen. […] Diese vier Hinsichten bestimmten die vier Sektionen des Kongresses, die die Themen in den Kolloquien jeweils noch einmal in verschiedenen Aspekten aufgenommen haben. Die Abendvorträge sowie die Beiträge in den freien Foren verfolgten diese Aspekte in jeweils anderen Linien.“ (Auszug aus: Dina Emundts, Karen Koch und Dirk Quadflieg, „Einleitung“, in: dies. (Hrsg.), Das Selbstverständnis der Philosophie und ihr Verhältnis zu den anderen Wissenschaften. Stuttgarter Hegel-Kongress 2023, Frankfurt a. M.: Klostermann 2025, S. 11–16).