Geschichte

Die Internationale Hegel-Vereinigung wurde auf der Gründungsversammlung in Heidelberg während der ersten Hegel-Tage am 31. Juli 1962 unter dem Namen „Internationale Vereinigung zur Förderung des Studiums der Hegelschen Philosophie“ gegründet. Ihr erster Präsident war Hans-Georg Gadamer, der sich zuvor mit internationalen Kollegen in einem Aufruf zur Begründung der Vereinigung „an die Hegelforscher aller Länder“ gewandt hatte.

Die Eröffnungsrede der ersten Hegel-Tage hielt der 1939 in die USA emigrierte Hegel-Forscher Richard Kroner, der in Heidelberg zum Ehrenpräsidenten der neu gegründeten Vereinigung ernannt wurde. Seine Rede endete wie folgt: „[…] [I]ch darf der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß die Neugründung einer Vereinigung der Hegelforscher dazu beitragen werde, die in Hegels Persönlichkeit und in seinem Werke verborgenen Rätsel weiter aufzuhellen. Mögen die Männer der neuen Generation, die sich vor diese Aufgabe gestellt sehen, der warnenden Stimme eingedenk bleiben, die uns aus der Vorrede zur Phänomenologie zuruft: ‚Das Leichteste ist, was Gehalt und Gediegenheit hat, zu beurteilen, schwerer, es zu fassen, das Schwerste, was beides vereinigt, seine Darstellung hervorzubringen.‘“1

Zwei Jahre später, 1964, ist die erste Veröffentlichung der Internationalen Hegel-Vereinigung im Bouvier Verlag Herbert Grundmann in Bonn erschienen, wo bis zum Band 10 bis auf eine Ausnahme auch die weiteren Bände der Vereinigung publiziert wurden. Die nachfolgenden 14 Bände sind im Verlag Klett-Cotta in Stuttgart erschienen. Seit 2013 erscheinen die Veröffentlichungen der Hegel-Vereinigung im Frankfurter Verlag Vittorio Klostermann in der Buchreihe „Geist und Geschichte“.

1970 wurde der erste Hegel-Preis von der Landeshauptstadt Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Internationalen Hegel-Vereinigung vergeben. Seither wird der Stuttgarter Hegel-Preis alle drei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Entwicklung der Geisteswissenschaften verdient gemacht haben.

Ebenfalls 1970 fand vom 12. bis 15. Juli in Stuttgart aus Anlass des 200. Geburtstags Hegels der erste internationale Hegel-Kongress statt, damals noch als „Stuttgarter Hegel-Tage“ bezeichnet. Die Organisation des Jubiläumskongresses wurde von Hans-Georg Gadamer verantwortet, der sich wie folgt an den Kongress erinnerte: „Der Vereinigung wurde durch diesen Kongreß eine neuartige Aufgabe gestellt, sofern diese Veranstaltung die Ausmaße der bisherigen Arbeiten der Vereinigung weit überschritt. Die Vereinigung hatte als ihre wesentliche Aufgabe gesehen, zwischen den Forschern und Kennern der Hegelschen Philosophie in den verschiedensten Ländern und von den verschiedensten Gesichtspunkten aus eine Gesprächsbasis zu schaffen.“2 Seit dem zweiten Stuttgarter Hegel-Kongress im Jahr 1975 finden die internationalen Kongresse turnusgemäß alle sechs Jahre in Stuttgart statt.

Die erste Geschäftsstelle der Hegel-Vereinigung war (laut dem veröffentlichten Entwurf der Satzung der internationalen Hegel-Vereinigung von 1962) der Friedrich Frommann Verlag von Günther Holzboog in Stuttgart. Seither hat sich der Ort der Geschäftsstelle mehrmals geändert, abhängig vom personellen Wandel im Vorstand der Vereinigung.

Am 17. Juni 2017 wurde Dina Emundts (FU Berlin) zur ersten Präsidentin der internationalen Hegel-Vereinigung gewählt. Im Folgenden finden Sie die Übersicht der bisherigen Präsidenten der Hegel-Vereinigung:

Präsidentinnen und Präsidenten der Hegel-Vereinigung
1962–1970: Prof. Dr. Hans-Georg Gadamer
1970–1987: Prof. Dr. Dieter Henrich
1987–1996: Prof. Dr. Hans Friedrich Fulda
1996–2007: Prof. Dr. Rüdiger Bubner
2007–2017: Prof. Dr. Axel Honneth
Seit 2017: Prof. Dr. Dina Emundts


  1. Richard Kroner, „Zur Eröffnung der Heidelberger Hegel-Tage“, in: Hans-Georg Gadamer (Hrsg.), Heidelberger Hegel-Tage 1962. Vorträge und Dokumente, Bonn: Bouvier Verlag 1964, S. 9–18, hier: S. 18. ↩︎
  2. Hans-Georg Gadamer, „Zur Einführung“, in: ders. (Hrsg.), Stuttgarter Hegel-Tage 1970. Vorträge und Kolloquien des Internationalen Hegel-Jubiläumskongresses, Bonn: Bouvier Verlag 1974, S. IX–XV, hier: S. IX. ↩︎