Hegel-Tage und Arbeitstagungen

Neben den großen Hegel-Kongressen in Stuttgart kennt die Veranstaltungschronik der Internationalen Hegel-Vereinigung hauptsächlich zwei weitere Veranstaltungsformate: Die Hegel-Tage (später auch Hegel-Tagung genannt), deren Themen „sich aus Defiziten der Hegelforschung und aus Problemen der Hegelauslegung von jeweils gerade besonderer Dringlichkeit“ ergaben, wie Dieter Henrich in einem Nachwort zur Publikation eines Hegel-Kongresses schreibt. Neben den Hegel-Tagen gab es zudem immer wieder Arbeitstagungen, „die über den inneren Wirkungskreis der Vereinigung durch Ort und Anlaß hinausgegriffen haben.“

Über die allerersten Hegel-Tage in Heidelberg 1962 schreibt Dieter Henrich, dass „alle in diesen Hegel-Tagen Zusammengekommenen ein gemeinsames Bewußtsein geeint haben [dürfte], nämlich daß keiner von uns wagen würde zu behaupten, daß er Hegel versteht. Ich meine, daß er ihn so versteht, daß der einzelne Schritt des Gedankens in seiner Notwendigkeit (oder auch in seiner vermeintlichen Notwendigkeit) eingesehen oder wirklich vollzogen wird und daß das Ganze des wissenschaftlichen Ganges, den Hegel der Philosophie zu geben beanspruchte, auch nur von einem von uns wirklich Schritt für Schritt nachgegangen zu werden vermöchte. Ob wir dem Grundgedanken dieser Philosophie zustimmen oder nicht, ob wir seine Methode dialektischer Analyse für den rechten Weg halten oder einen leeren Schematismus darin fürchten – vor dem gewaltigen Können dieses großen Meisters des Begriffs stehen wir alle wie Lernende.“ (Alle Zitate aus: Dieter Henrich, „Nachwort“, in: ders. und Rolf-Peter Horstmann (Hrsg.), Metaphysik nach Kant? Stuttgarter Hegel-Kongreß 1987, Stuttgart: Klett-Cotta 1988, S. 825–827).

Vergangene Hegel-Tage und Arbeitstagungen

  1. Hegel-Tage in Heidelberg 1962 (kein Schwerpunktthema)
  2. Hegel-Tage in Royaumont 1964: „Beiträge zur Deutung der Phänomenologie des Geistes“
  3. Hegel-Tage in Urbino 1965 (kein Schwerpunktthema)
  4. Hegel-Tage in Lille 1968: „L’esprit objectif – L‘unité de l’histoire“
  5. Hegel-Tage in Villigst 1969: „Das älteste Systemprogramm. Studien zur Frühgeschichte des deutschen Idealismus“
  6. Hegel-Tage in Chantilly 1971: „Die Wissenschaft der Logik und die Logik der Reflexion“
  7. Hegel-Tage in Santa Margherita 1973: „Hegels philosophische Psychologie“
  8. Hegel-Tage in Zwettl 1977: „Hegel in Jena“
  9. Hegel-Tage in Fontenay-aux-Roses 1979: „Hegels Philosophie des Rechts. Die Theorie der Rechtsformen und ihre Logik“
  10. Arbeitstagung in Moskau 1980 (gemeinsam mit dem Institut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion): „Hegels Wissenschaft der Logik – Formation und Rekonstruktion“
  11. 3 Arbeitstagungen im Rahmen des Japanisch-Deutschen Philosophie-Kolloquiums 1981 und 1982 (geleitet von Dieter Henrich und Koichi Tsujimura)
  12. Hegel-Tage in Anacapri 1983: „Hegels Logik der Philosophie. Religion und Philosophie in der Theorie des absoluten Geistes“
  13. Hegel-Tage in Amersfoort 1985: „Hegels Philosophie der Natur. Beziehungen zwischen empirischer und spekulativer Naturerkenntnis“
  14. Arbeitstagung in Fiecht 1989: „Hegel und die ‚Kritik der Urteilskraft‘“
  15. Arbeitstagung in Poitiers 1990: „Rousseau, die Revolution und der junge Hegel“
  16. Arbeitstagung in Pisa 1995: „Skeptizismus und spekulatives Denken in der Philosophie Hegels“
  17. Arbeitstagung in Padua und Montegrotto Terme 2001: „Das Endliche und das Unendliche in Hegels Denken“
  18. Arbeitstagung in Rotterdam 2003 (gemeinsam mit der Internationalen Hegel-Gesellschaft): „Die Eigenbedeutung der Jenaer Systemkonzeptionen Hegels“
  19. Hegel-Tagung in Bad Homburg 2013: „Der Frankfurter Hegel in seinem Kontext“
  20. Hegel-Tagung in Padua 2015: „Wirklichkeit – Beiträge zu einem Schlüsselbegriff der Hegelschen Philosophie“
  21. Arbeitstagung in Oxford 2022 (gemeinsam mit der Hegel Society of Great Britain): „Hegel’s Philosophy of Right“
  22. Arbeitstagung in Basel 2025: „Naturbeherrschung und Naturästhetik in der klassischen deutschen Philosophie“